Jörg Alff der Eifelrunner

Aktuelles

»Nach 36 Jahren ist es mir schon nicht leicht gefallen loszulassen«

»Nach 36 Jahren ist es mir schon nicht leicht gefallen loszulassen«

Trierischer Volksfreund vom 15.01.2026


„Nicht leicht gefallen“

Es fing mit rosa-gestreiften Laufschuhen an – „Eifelrunner“ verlässt die LG Vulkaneifel

Prüm/Langenselbold · Der aus Prüm stammende Jörg Alff nennt sich Eifelrunner. Seit mehr als 40 Jahren läuft er – auch nach einer Krebserkrankung. Nach 36 Jahren sagt er aber der LG Vulkaneifel Ade.

Nach 36 Jahren hat der 16-malige Rheinland- und Rheinland-Pfalz-Meister die LG Vulkaneifel in Richtung SSC Hanau-Rodenbach verlassen.

Foto: Holger Teusch

Von Holger Teusch

Nach fast vier Jahrzehnten ist Schluss! „Ich habe der LGV 36 Jahre die Treue gehalten und auch aus der Ferne meine Wurzeln mit Stolz gezeigt“, sagt Jörg Alff.

Beim Silvesterlauf im hessischen Oberrodenbach (östlich von Frankfurt) streifte der 61-Jährige letztmalig das Trikot der Leichtathletik-Gemeinschaft LG Vulkaneifel über. Ein dritter Platz in der Altersklasse M60 ist Alffs letzter Eintrag für die Startgemeinschaft, für die er 16 Rheinland- und Landesmeistertitel gewann und zweimal Deutscher Vizemeister bei den Senioren wurde.

„Ich habe lange darüber nachgedacht und auch mit Heinz Reifferscheid über die aktuelle Situation der LG Vulkaneifel gesprochen“, erzählt Alff. Zusammen mit dem ehemaligen LGV-Vorsitzenden und -Erfolgstrainer sei er sich einig gewesen, dass er sich eine andere Vereinsbasis suchen muss, um seine sportlichen Ziele zu erreichen.

Wohin es den „Eifelrunner“ von der LG Vulkaneifel zieht

Diese hat Alff nun beim SSC Hanau-Rodenbach nahe seinem Wohnort Langenselbold und seiner Arbeitsstätte in Frankfurt am Main gefunden. „Die Nähe ist ja auch ein wesentlicher Vorteil für die Trainings- und Wettkampfplanung“, erklärt er.

Im VfL Jünkerath, dem Stammverein der LGV, bleibe er aber weiterhin Mitglied. „Nach 36 Jahren ist es mir schon nicht leicht gefallen loszulassen“, gesteht Alff. „Der Eifelrunner“, wie er sich selbst bezeichnet, werde er aber immer bleiben.

Einige Male im Jahr kommt er mit seiner Familie in seine Heimat, wo auch seine Laufkarriere begann – in Sportschuhen mit rosa Streifen. Am 23. Oktober 1983 schnürte der gebürtige Prümer an der Tür seines Elternhauses erstmals diese Laufschuhe, Modell Adidas Marathon.

„Schwarz mit rosa Streifen. Total irre“, erinnert sich Alff. Mit diesen Schuhen macht er sich auf zum Start des neunten Prümer Crosslaufs im nahegelegenen Tettenbusch. Über 6,8 Kilometer belegte der damals 19-Jährige auf Anhieb den achten Platz – und hatte Blut geleckt.

Der DLRG-Rettungsschwimmer schloss sich zunächst der SG Streif Prüm an, wechselte 1989 aber zur LG Vulkaneifel und zu Trainer Heinz Reifferscheid. Die Verbindung hielt auch, nachdem es Alff beruflich vor mehr als einem Vierteljahrhundert ins Rhein-Main-Gebiet verschlug.

Ihm fehlt jedoch mittlerweile das Gemeinschaftsgefühl früherer LGV-Zeiten. Die erfolgreichen Senioren-Teams kommen in der Eifel nicht mehr zustande. Zuletzt gewannen Richard Luxen, Willi Jöxen (startet mittlerweile für Köln) und Viktor Lieder (jetzt LT Schweich) Senioren-DM-Gold für die LGV. Das Trio siegte 2019 mit der Halbmarathon-Mannschaft der über 60-Jährigen.

Mit dem Wechsel zum SSC Hanau-Rodenbach darf auch Alff wieder mit Erfolgen im Team rechnen. SSC-Trainer Sascha Arndt habe ihn mit offenen Armen empfangen. „Er freut sich über die Verstärkung der Seniorentruppe.“

Sportler aus Prüm will sich Träume erfüllen – erst recht nach gesundheitlichen Problemen

Auch nach Jahrzehnten möchte sich Alff weiterhin sportliche Träume erfüllen. Gerade auch nach gesundheitlichen Rückschlägen. 2013 wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. „Das ist wie ein Schlag, gegen den man sich nicht wehren kann“, sagt er zu dem Tag im Frühjahr vor mehr als zehn Jahren, den er nie vergessen wird.

Dank regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen wurde die Krankheit jedoch frühzeitig erkannt. So konnte er den Krebs ohne Bestrahlungs- oder Chemotherapie „nur mit einer Operation“ besiegen. Der Sport habe ihm dabei vor allem mental geholfen: „Mein Laufsport hat mir gezeigt, auch mit Niederlagen umgehen zu können, dass irgendwann wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist.“

Klar ist Alff bei allen Ambitionen natürlich auch: Seine besten Laufzeiten, unter anderem 14:32 Minuten über fünf und 30:45 Minuten über zehn Kilometer, sind im Seniorenalter natürlich nicht mehr erreichbar. Trotzdem ist der gebürtige Prümer weiterhin hochmotiviert. Ein Grund: Zur Jahresmitte 2027 beginnt für den IT-Spezialisten einer großen Bank in Frankfurt der passive Teil der Altersteilzeit. „Dann kann es so richtig losgehen!“